Körperliche Ursachen für Angstzustände erkennen
Zusammenfassung

Kurzatmigkeit, Herzflattern, innere Anspannung. Wenn Angst dein Dauerbegleiter ist, wird das Leben zur puren Anstrengung. Stress, Traumata und hormonelle Umschwünge sind häufige Auslöser für eine Generalisierte Angststörung. Doch auch körperliche Ursachen für Angstzustände sind möglich. In diesem Artikel erfährst du mehr über das Zusammenspiel zwischen Unterzuckerung und Panikattacken und bekommst einen Einblick, welche chronischen Krankheiten Angstzustände auslösen können.  

Wann hat Angst eine organische Ursache?

Die Diagnose Angstzustände ICD 10 betrifft weltweit über 400 Millionen Menschen. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher ausfallen. Die Symptome ähneln sich häufig: diffuse und ständige Angst, Herzrasen, Vermeidungsverhalten. Körperliche Auswirkungen wie ein erhöhter Blutdruck und Zittern werden schnell der Angst zugeschrieben. Der erste Weg ist meist der zu Therapeut:innen. Aber Vorsicht, denn auch körperliche Ursachen können für Angstzustände verantwortlich sein. Typische Warnsignale sind:

  • Plötzliche Angstzustände nach dem 40. Lebensjahr
  • Angst ohne psychische Auslöser
  • Begleiterscheinungen wie Fieber, starker Gewichtsverlust und Verwirrung
  • Beginn nach Einnahme oder Absetzen eines Medikaments

Die Abgrenzung zu psychisch bedingten Angststörungen ist denkbar schwierig, da sich die Angstsymptome selbst sehr ähneln. Der Gang zum Arzt oder der Ärztin ist daher der beste Schritt, ehe du dir therapeutische Unterstützung suchst.

Das Schmetterlingsorgan: Schilddrüse und Angst

Das kleine Organ unterhalb des Kehlkopfes kann große Auswirkungen auf die menschliche Psyche nehmen. Besonders eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) ist eine häufig übersehene körperliche Ursache für Angstzustände. Die Überfunktion sorgt für eine massive Hormonproduktion, die neben innerer Unruhe und Schlafproblemen auch Panikattacken und Angstzustände auslösen kann. Etwa zehn Prozent der Bevölkerung sind von der chronischen Krankheit betroffen, Frauen häufiger als Männer. Die Symptome beginnen meist zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr, weshalb sie nicht selten fälschlicherweise den Wechseljahren zugeordnet werden. Treten Angstzustände in dieser Zeit plötzlich und erstmalig auf, ohne dass es psychische Auslöser gibt, lohnt eine Untersuchung der Schilddrüse. Allein das Wissen um die Ursache der Angstzustände kann für Betroffene eine enorme Entlastung sein.   

Zittern und Herzklopfen: Hypoglykämie vs. Panik

Unterzuckerung ist ein Begriff, der meist nur mit Diabetiker:innen in Zusammenhang gebracht wird. Die funktionelle Hypoglykämie sorgt für ähnliche Symptome bei Nicht-Diabetiker:innen. Meist tritt sie bei sehr schlanken Frauen oder Sportlerinnen auf. Der weibliche Körper ist insulinanfälliger. Der Zucker wird bei schlanken Frauen eher aus dem Blut aufgenommen, da sie weniger Fettzellen besitzen. Bei einer Unterzuckerung wird der Körper in einen Alarmzustand versetzt. Der Energiemangel wird im Gehirn als Bedrohung wahrgenommen. Die Folge ist eine massive Ausschüttung von Adrenalin und Cortisol als Schutzmechanismus.

Kann Bluthochdruck Panikattacken auslösen?

Angstzustände und hoher Blutdruck bedingen sich häufig wechselseitig. Bei Menschen mit einer generalisierten Angststörung oder der sogenannten Herzangst, kann Bluthochdruck Panikattacken auslösen. Das liegt daran, dass Symptome wie Herzrasen als Trigger fungieren. Betroffene einer Angststörung beobachten ihren Körper genau und reagieren bei der kleinsten Veränderung mit Angst. Der veränderte Herzschlag kann daher zu Panik führen. Umgekehrt können Angstzustände den Blutdruck erhöhen, ohne dass konkrete organische Ursachen vorliegen.  

Infektbedingte Angst: Wenn das Immunsystem feuert

Ein angegriffenes Immunsystem schüttet vermehrt Botenstoffe aus, die infektbedingte Symptome einer Angststörung begünstigen können. Die Entzündungsbotenstoffe für die Bekämpfung der Erreger aktivieren das Angstzentrum im Gehirn (Amygdala). Auch das vegetative Nervensystem rund um den Vagusnerv ist stark beansprucht. Daher lautet bei einem Infekt die Devise: strikte Ruhe für Körper und Geist.

 Nach dem Infekt: Wenn Viren oder Bakterien Angst auslösen

Ist die Erkrankung am Abklingen, kann es auch nach dem Infekt zu vermehrten Angstzuständen kommen. Grund dafür sind die noch aktiven Entzündungsreaktionen des Körpers. Besonders Borreliose-Erkrankungen und Long-COVID stehen im Verdacht, chronische Angstzustände auszulösen oder zu verschlimmern. 

Die sogenannte Post-Viral-Angst geht mit extremer Erschöpfung und Brain Fog einher. Das aus der Balance geratene vegetative Nervensystem versetzt den Körper der Betroffenen dauerhaft in den Kampf-Flucht-Modus. Diese plötzlichen Veränderungen der Psyche wiederum triggern weitere existenzielle Ängste. Hier hilft ein offenes Gespräch mit deinem Arzt oder deiner Ärztin. Er oder sie kennt sicherlich die Symptome und kann dir wertvolle Informationen zur Seite stellen. Oft hilft es schon, sich eine weitere Woche krankschreiben zu lassen, um Körper und Seele etwas Gutes zu tun. Auch wenn akute Symptome verschwunden sind und keine Ansteckungsgefahr mehr besteht, braucht der Körper Zeit, um sich von den Strapazen eines Infekts zu erholen.

Autoimmunerkrankungen und psychische Symptome

Rheuma, Multiple Sklerose, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen. Autoimmunerkrankungen haben viele Gesichter mit einer wesentlichen Gemeinsamkeit: sie belasten den Alltag Betroffener extrem. Ständige Schmerzen und Bewegungseinschränkungen gehen nicht spurlos an der menschlichen Psyche vorbei. Neben der alltäglichen Belastung spielen dabei auch chronische Entzündungen des Nervensystems eine große Rolle. So ist es nicht verwunderlich, dass laut einer Studie der University of Edinburgh Daten aus der Our Future Health (OFH)-Kohorte Menschen mit einer Autoimmunerkrankung doppelt so häufig von einer Angststörung betroffen sind wie Menschen ohne chronische Krankheit. 

Versteckte Auslöser: Mangelerscheinungen durch fehlende Vitamine

Eine gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung an der frischen Luft spielt für die Psyche eine große Rolle. Angststörungen und Depressionen können neben organischen Ursachen auf einen bestehenden Vitaminmangel zurückzuführen sein. Die wichtigsten Vitamine für die menschliche Psyche sind:

  • Vitamin C als Schutz vor oxidativem Stress
  • Magnesium für eine normale psychische Funktion
  • Zink zum Schutz der Gehirnzellen
  • Vitamin D zur Stimmungsaufhellung
  • B Vitamine für die Nerven-Schutzhüllen

Beobachtest du neben verstärkten Ängsten und depressiven Verstimmungen auch Symptome wie Haarausfall, Müdigkeit und Blässe, gibt ein Blutbild bei deinem Hausarzt oder deiner Hausärztin Klarheit über einen möglichen Vitamin-Mangel.

Vitamin D Mangel und Panikattacken 

Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen einem Vitamin D Mangel und dem Vorhandensein von Panikattacken und Angstzuständen. Vitamin D ist an zahlreichen biologischen Prozessen im Gehirn beteiligt. Es ist ein wichtiger Neurotransmitter, welcher die Bildung stimmungsaufhellender Botenstoffe begünstigt. Zwar ist der Mangel von Vitamin D allein kein Auslöser für Panikattacken, kann diese aber bei Risikopatient:innen begünstigen. Studien belegen, dass Menschen mit einem dauerhaft zu niedrigen Vitamin-D-Spiegel anfälliger für Angstzustände und Panikattacken sind. 

Vitamin B12 Mangel und Angstzustände

Anders als bei Vitamin D kann ein Mangel an Vitamin B12 direkt Panikattacken und Angstzustände auslösen. Das Vitamin dient als Stütze für das gesamte Nervensystem, weshalb ein chronischer Mangel nicht selten zu psychiatrischen Fehlfunktionen führt. Dass ohne Vitamin B12 die Nerven blank liegen, kommt daher, dass die schützende Isolierschicht der Nerven beschädigt ist. Zudem senkt ein Mangel die Bildung der „Glückshormone“ Dopamin und Serotonin, was zu Reizbarkeit und Angstzuständen führen kann. Nicht selten kommt es in Folgen eines längerfristigen Vitamin B12 Mangels zu einer Anämie, der sogenannten Blutarmut. Diese geht mit Symptomen wie Herzrasen, Schwindel, Kurzatmigkeit und Taubheitsgefühlen einher. Betroffene von Panikattacken kennen die Symptome gut. Ärzt:innen sind in der Lage, hochwertige Präparate zu verschreiben, die den Mangel schnell beheben können. Von billigen Supplementen aus dem Internet ist abzuraten.

Das Rätsel der ICD R-Diagnosen

Vielleicht warst du wegen deiner Symptome schon bei deinem Arzt oder deiner Ärztin? Häufig erfolgt auf die Beschreibung von Herzrasen, Kurzatmigkeit und Angstgefühlen die Diagnose ICD 10 R. Was auf den ersten Blick kryptisch klingt, ist anfangs erst einmal harmlos. Diesen Code verwenden Ärzte als Zusammenfassung unklarer Symptome, die keine eindeutige Diagnose zulassen. Das ist anfangs vielleicht nicht hilfreich, zeigt aber erst einmal, dass keine akute Erkrankung vorliegt. Zusätzlich kann die R45.8 Diagnose erfolgen, welche psychische Veränderungen wie Antriebslosigkeit, Ängste oder sogar Suizidgedanken beschreibt, ohne dass eine konkrete psychische Erkrankung vorliegt. 

Nur Mut! Die unklare Diagnose heißt keinesfalls, dass du mit den psychischen Gegebenheiten, die dich belasten leben musst. Oft hilft es, die Symptome zu beobachten und in einem Tagebuch festzuhalten. Wenn du weißt, wie du dich wann fühlst, ist dies der erste Schritt, der Ursache auf den Grund zu gehen.

Mentales Notfallset für akute Angst

Wird Angst zum ständigen Begleiter oder steigert sie sich sogar zu Panikattacken, kann das den Alltag stark belasten. Zum Glück gibt es einfache Methoden, mit denen du akute Angstmomente besser bewältigen kannst. 

Dazu gehört die tiefe Bauchatmung. Lege deine Hand dafür über deinen Nabel und atme fünf Sekunden tief ein. Achte darauf, dass sich deine Bauchdecke stark wölbt. Halte den Atem für drei Sekunden, ehe du langsam und vollständig sieben Sekunden ausatmest. Ziehe deinen Bauch dafür nach innen. Das stimuliert und entspannt das Zwerchfell. Auch Achtsamkeit und Erdung helfen bei akuten Angstzuständen. Sieh dich im Raum um und benenne gedanklich verschiedene Gegenstände, die du um dich herum wahrnehmen kannst. Wie fühlt sich der Untergrund an, auf dem du sitzt? Was kannst du draußen vor dem Fenster hören? Das Konzentrieren auf reale Dinge bringt dich aus der Angstspirale wirkungsvoll ins Hier und Jetzt zurück.

Langfristig kann eine digitale Therapie wie velibra Unterstützung bringen. Das alltagsnahe Therapieprogramm zur Behandlung von diversen Angststörungen enthält einen umfangreichen Praxis- und Übungsteil. Hilfreiche Strategien lehren dich, mit deiner Angst umzugehen, für mehr Freiheit in deinem Alltag. velibra ist kostenlos auf ärztliches Rezept für dich verfügbar. Via Freischaltcode von deiner Krankenkasse kannst du bequem und anonym von zuhause aus starten.

Fazit – Körperliche Ursachen für Angstzustände gezielt erkennen

Angst ist nicht immer rein psychisch bedingt – auch körperliche Ursachen für Angstzustände wie Schilddrüsenerkrankungen, Unterzuckerung, Infekte oder Vitaminmängel können hinter den Beschwerden stecken. Deshalb sollten plötzliche oder ungewöhnlich starke Symptome immer ärztlich abgeklärt werden. Gleichzeitig gilt: Können Angstzustände den Blutdruck erhöhen? Ja, denn Angst versetzt den Körper in Alarmbereitschaft und kann Puls und Blutdruck steigen lassen. Ein ganzheitlicher Blick auf Körper und Psyche hilft dabei, die Auslöser besser zu verstehen und passende Unterstützung zu finden.

Die wichtigsten Fragen & Antworten

Angst verstehen

Ja. Schilddrüsenstörungen, Vitaminmangel oder Blutzuckerschwankungen können Symptome auslösen, die einer Angststörung ähneln.

Ja. Hypoglykämie kann Zittern, Herzrasen und Schwindel verursachen – Symptome, die einer Panikattacke ähneln.

Ein Vitamin-D-Mangel wird mit depressiven Symptomen und erhöhter innerer Unruhe in Verbindung gebracht.

Bei neu auftretenden, starken oder ungewöhnlichen Symptomen ist eine ärztliche Abklärung wichtig, bevor eine Angststörung diagnostiziert wird.

ICD R-Codes beschreiben Symptome (z. B. Schwindel oder Unruhe), wenn noch keine gesicherte psychische Diagnose vorliegt.

Quellen