Wie äußern sich Angststörungen? Typische Symptome erklärt
Zusammenfassung

Kein Mensch ist völlig frei von Angst und sie ist per se auch nichts Schlechtes. Angst warnt uns vor Gefahren und lässt uns mit einer gewissen Vorsicht durchs Leben gehen. Menschen mit einer generalisierten Angststörung (GAS) hingegen sind in einem wahren Teufelskreis der Angst gefangen. Das kann sogar so weit gehen, dass die Angst das ganze Leben überschattet. Menschen mit einer Angststörung ist oft lange nicht bewusst, dass es sich bei den Symptomen um eine psychische Erkrankung handelt. Umso wichtiger ist die genaue Aufklärung zum Thema. Wie äußern sich Angststörungen? In diesem Artikel lernst du den Unterschied zwischen gesunder Angst und den Symptomen einer Angsterkrankung kennen.

Psychische Symptome einer generalisierten Angststörung erkennen

Einer Angststörung auf die Schliche zu kommen ist wahrscheinlich die größte Herausforderung auf dem Weg ihrer Behandlung. Das liegt daran, dass vor allem körperliche Symptome zwischen Depression und Angststörung sehr ähnlich sind. Frauen sind von Angsterkrankungen statistisch häufiger betroffen als Männer, weshalb ein gezielter Blick auf spezifischen Symptome der generalisierten Angststörung sinnvoll ist.

Das Gedankenkarussell: Wenn Grübeln zur Belastung wird

Nervosität und Angstzustände hängen eng zusammen. Im Teufelskreis der Angst wird ständiges Grübeln zur Dauerbelastung. Wenn unzählige „Was-wäre-wenns“ deinen Alltag bestimmen, möchtest du sicher nichts lieber tun, als die innere Unruhe zu bekämpfen.

In deinem Kopf ist ganz schön viel los. Das Gedankenkarussell nimmt noch schneller Fahrt auf, sobald dein Körper zur Ruhe kommt. Nicht selten haben Betroffene einer Angststörung sogar Furcht davor, ins Bett zu gehen. Sobald die Welt leise wird, spricht der Kopf umso lauter. Jedes Gespräch vom Vortag wird wieder und wieder durchgespielt. Danach lauern schon die Ängste vor dem Morgen. Aufgrund dieser nächtlichen Gedankenspiralen leiden viele Betroffene unter Schlafstörungen wie Einschlafproblemen oder häufigem nächtlichen Erwachen.

Konzentrationsschwierigkeiten und Vergesslichkeit durch die Angststörung

Auch Konzentrationsschwierigkeiten und Vergesslichkeit durch eine Angststörung sind keine Seltenheit. Hervorgerufen durch den inneren Dauerstress sowie die daraus resultierenden Schlafstörungen kommt es nicht selten zu einem signifikanten Leistungsabfall bei Betroffenen. Auf der Arbeit passieren immer mehr Fehler, beim Einkauf vergisst du die wichtigste Zutat und lässt obendrein den Schlüssel in der Haustür stecken – von innen.

Jetzt ist Entschleunigung wichtig. Viele Betroffene werden immer schneller, um mit anderen mithalten zu können. Doch damit steigst du tiefer in die Stress- und Angstspirale ein. Ständige Nervosität hält deinen Körper in Alarmbereitschaft und sorgt dafür, dass er selbst im Schlaf auf Höchstleistung läuft.

Reizbarkeit: Warum dünne Nerven oft ein Warnsignal sind

Ein gestörter Schlaf ist eines der vielen Symptome einer generalisierten Angststörung und sorgt für dünne Nerven. Die Reizbarkeit steigert sich im Laufe des Tages, weil du ständig im Überlebensmodus bist und auf die nächste Gefahr wartest. Du bist nicht mehr in der Lage, das Schöne im Leben zu genießen, denn es könnte ja jeden Moment die nächste Gefahr um die Ecke kommen.

Reizbarkeit ist für starke Angst eines der Symptome, das am wenigsten greifbar ist, weil sie häufig als schlechte Charaktereigenschaft abgestempelt wird. Das sorgt wiederum dafür, dass sich Betroffene noch mehr schuldig fühlen. Für Angehörige gilt daher: erst einmal die Frage nach dem „Wie fühlst du dich“ stellen, statt der Strafpredigt. Das hilft Menschen mit einer Angststörung, den Blick nach innen und auf die eigene Gefühlswelt zu richten. Es reißt aus dem Tunnelblick der Angst heraus und zieht Betroffene zurück in den Moment.

Wenn der Körper spricht: Körperliche Symptome bei einer Angststörung

Wie äußern sich Angststörungen? Es ist viel mehr als die Furcht an sich. Starke Angst ruft mitunter auch körperliche Symptome hervor, die Betroffene immer wieder besorgt zum Arzt oder zur Ärztin treiben. Tückisch ist auch die Komorbidität der GAS-Symptome zu einer Depression. Hierbei ist es wichtig, die genauen Symptome einer Angststörung und Depression zu kennen. Während bei der GAS allgemeine Ängste im Vordergrund stehen, empfinden Betroffene einer Depression ein anhaltendes Gefühl der Niedergeschlagenheit. Um beide Erkrankungen voneinander abgrenzen zu können, ist eine frühzeitige, fachliche Diagnose wichtig.

Muskelverspannung und die Last auf den Schultern

Eines der häufigsten körperlichen Symptome von Angststörungen sind Schmerzen. Das Problem dabei: Sie können überall am Körper auftreten und wandern häufig, weshalb Betroffene nicht selten Dauergäste in Arztpraxen sind und sich wie Hypochonder fühlen.

Es ist schwer, sich aus den ständigen Sorgen zu befreien, wenn jeden Tag ein neuer Schmerz anklopft. Schmerz setzt einen Alarmreiz im Gehirn, um uns vor einer bedrohlichen Krankheit zu schützen. In diesem Fall steigert er jedoch unsere Angst, ohne dass eine tatsächliche Bedrohung für unsere Gesundheit besteht und setzt uns noch mehr unter Stress. Wenn du diesen Mechanismus einmal verstanden hast, hilft dir die Gewissheit um deine Diagnose, dir etwas Gutes zu tun, anstatt den Gang zum nächsten Arzt oder der Ärztin anzutreten.

Generalisierte Angststörung: Wenn das Herz schwer wird

Ein Stechen in der Brust ist wohl das beunruhigendste Gefühl der Welt und doch gehören zu einer generalisierten Angststörung auch Brustschmerzen, Herzstechen und ein Engegefühl in der Brust. Im Gegensatz zu einer bedrohlichen Krankheit des Herzens, treten diese Symptome einer generalisierten Angststörung meist in Ruhe und am Abend auf. Das liegt daran, dass die Ablenkungen des Tages wegfallen und der Körper entspannt. In der Stille haben Betroffene eine gesteigerte Wahrnehmung und werden sich Symptomen wie Herzstolpern und einem Engegefühl in der Brust deutlich bewusst. Zudem liegt bei Angstpatient:innen eine Fehlschaltung des Nervensystems vor: es schüttet mehr Stresshormone aus, sobald sich der Körper entspannt, da Betroffene sich dem Leben schutzlos ausgeliefert fühlen, sobald sie entspannen. Die Symptome können nur Minuten dauern oder für Stunden anhalten. Wichtig ist, Brustschmerzen immer ärztlich abklären zu lassen.

Wenn die körperliche Untersuchung keine Schädigungen am Herz oder den Gefäßen sowie der Lunge feststellt, gilt es, erlernte Beruhigungstechniken anzuwenden oder in den akuten Phasen für Ablenkung zu sorgen, um dich nicht in deine Angst hineinzusteigern. Besonders tückisch sind Panikattacken, bei denen Betroffene Herzstechen und das Gefühl haben, keine Luft mehr zu bekommen. Tatsächlich gaukelt dir dein Körper in dieser Situation eine nicht existente Gefahr für Leib und Leben vor.

Wichtig ist: Die Angst nicht sofort wegzudrücken, aber dich auch nicht hineinzusteigern. Fühle die Angst wie eine Welle, die deinen Körper überschwappt, aber nicht mit ins offene Meer reißt. Beruhigungstechniken wie die tiefe Bauchatmung und autogenes Training können die Linderung der akuten Symptome fördern.

Der Teufelskreis der Angst: Warum Angstzustände morgens am schlimmsten sind

Angstpatient:innen fürchten die Abendstunden, in denen es um sie ruhiger wird und der Kopf immer lauter. Körperliche Symptome wie Herzrasen und Muskelverspannungen klopfen an, doch was viele nicht wissen: Angstzustände sind morgens oft noch schlimmer. Das liegt daran, dass der Körper nach dem Aufwachen vermehrt das Stresshormon Cortisol ausschüttet, um in die Aktivität zu gelangen. Darüber hinaus verarbeiten Betroffene ihre Ängste häufig im Schlaf, was zu nächtlichem Zähneknirschen führen kann, welches Verspannungen im Nacken sowie Spannungskopfschmerzen auslöst.

Angstzustände morgens: Warum der Start in den Tag am schlimmsten sein kann

Wer voller Ängste einschläft, wacht meist nicht erholt auf. Die Sorgen sind nicht kleiner, sondern erscheinen überlebensgroß. Das Aufstehen wird zur ersten großen Hürde des Tages. Die Schlafprobleme sorgen dafür, dass du dich müde fühlst, während deine Ängste dich so sehr überfordern, dass du dir am liebsten einfach wieder die Decke über den Kopf ziehen würdest. Soziale Ängste lassen dich vor dem Gang zur Arbeit fürchten und nur deine Angst vor der Zukunft und einer möglichen Kündigung bringt dich dazu, das Bett zu verlassen. Das ist alles andere als eine angenehme Art und Weise, den Tag zu beginnen.

Schlafstörungen: Wenn die Nacht keine Erholung bringt

Schlaf war vielleicht einst für dich ein Zufluchtsort, doch seit er dir fernbleibt, sind die durchwachten Nächte eine zusätzliche Belastung für Körper und Geist. Betroffene einer Panikstörung leiden besonders unter den Nächten, da Panikattacken besonders abends auftreten, wenn sich der Körper in Ruhe befindet. Es folgt die Angst vor der Angst. Symptome können sein: Alpträume, plötzliches Erwachen, Herzrasen und Atemnot. Abhilfe können gut abgedunkelte, kühle und angenehme Räume schaffen. Du solltest dich in deinem Schlafzimmer rundum wohl und sicher fühlen. Vermeide am Tag Nikotin, Koffein und Alkohol, da die Inhaltsstoffe die Symptome verschlimmern oder sogar hervorrufen können.

Tipp zur Selbsthilfe: Solltest du wieder einmal ungewollt wach liegen, stehe auf, anstatt dich von einer Seite auf die andere zu wälzen. Das nennt man Stimuluskontrolle. Sie zielt darauf ab, die Fehlverknüpfung zwischen deinem Bett und der Panik aufzulösen.

Wege aus der Angst: Innere Unruhe bekämpfen und zur Ruhe finden

Menschen mit einer Panik- oder Angststörung kennen den Zustand der Stille im Kopf meist gar nicht. Innere Unruhe und ständiges Gedankenkreisen sind zur Normalität geworden. Das löst nicht nur Stress aus, sondern schafft Raum für viele sorgenvolle Gedanken. Daher ist es wichtig, Wege zu mehr Achtsamkeit zu erlernen und dir bewusst Zeit nur für dich zu nehmen, in der du dich zentriest und zur Ruhe kommst.

Wenn du dein Nervensystem auf Anspannung programmiert hast, wird es einige Zeit dauern, bis sich dein Körper auf mehr Ruhe einstellt. Nervosität findet nicht nur in deinem Kopf statt, sondern äußert sich auch durch hartnäckige Muskelverspannungen und Kopfschmerzen. Umso wichtiger ist es, achtsam und liebevoll auf die Bedürfnisse deines Körpers zu hören.

Diese 3 Tipps können dir dabei helfen:

  • Tiefe Bauchatmung: Klingt einfach, ist aber äußerst wirkungsvoll. Bauchatmung entspannt das Zwerchfell und lindert dadurch Magen-Darm-Beschwerden. Lege dich dafür auf den Rücken, lege eine Hand auf den Bauch und atme tief ein. Dabei sollte sich deine Bauchdecke wölben. Die Ausatmung sollte sehr lang sein. Ziehe deinen Bauch dabei so weit nach innen, wie es möglich ist. Wiederhole die Übung 20-mal in 3 Sätzen täglich.
  • Mehr Achtsamkeit: Diese Übung ist schwieriger als sie klingt. Es geht darum, mit deinen Gedanken jederzeit im Moment zu bleiben. Das heißt, du musst dich selbst gut beobachten und deine Gedanken aus dem Sorgenstrudel zurückziehen, sobald sie sich wieder dort verfangen. Wer im Moment lebt, hat selten etwas zu befürchten.
  • Konfrontation: Die Königsdisziplin für Angstpatient:innen. Es ist eine große Herausforderung, dich den Situationen zu stellen, die dir Angst machen, wenn sich alles in dir dagegen sträubt. Doch langfristig ist es der beste Weg aus der ständigen Angst, weil du dir damit selbst beweist, was du alles schaffst und dass dabei nichts Schlimmes passiert. Am besten du probierst Konfrontationsübungen am Anfang in ärztlicher oder therapeutischer Begleitung aus.

Auch wenn sich eine Angststörung sehr schwer anfühlt und Betroffene das Gefühl haben, dem Leben völlig ausgeliefert zu sein, sind sie doch sehr gut behandelbar. Ob mit einer herkömmlichen Therapie, Online-Angeboten oder Selbsthilfe-Strategien. Wer den Mut fasst, sich seiner Angst zu stellen, ist schon auf dem besten Weg, sie zu besiegen.

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