Jeder kennt Angst. Die meisten Menschen fürchten sich davor, einen nahestehenden Angehörigen zu verlieren oder sind in Sorge vor Krieg und Krankheit. Angst ist ein normales und sogar lebenswichtiges Gefühl, das dann aufkommt, wenn wir uns einer direkten Bedrohung gegenübersehen. Im Gegenzug dazu steht die generalisierte Angststörung, bei der Sorgen, gepaart mit psychischen und körperlichen Begleiterscheinungen wie Schlaflosigkeit und Muskelverspannungen, ein ständiger Begleiter sind. Statistisch gesehen sind laut Robert Koch Institut 8,1 Prozent der Erwachsenen in Deutschland jedes Jahr von einer Angststörung betroffen, Frauen doppelt so oft wie Männer. Je nach Ausprägung und Therapie der Behandlung kann eine Angststörung von einigen Wochen bis zu mehreren Jahren andauern. Frühzeitige professionelle Unterstützung kann die Symptome deutlich verkürzen. Dieser Artikel zur Definition von Angst soll dir helfen, zwischen normaler Angst und einer generalisierten Angststörung (GAS) zu unterscheiden.
Definition von Angst: Was steckt hinter dem Gefühl?
Angst und Furcht werden häufig synonym verwendet. Tatsächlich handelt es sich aber um zwei unterschiedliche Gefühle. Angst ist ein Gefühlszustand, der sich auf keine spezifische Bedrohung richtet, sondern allgemein vorherrscht und mit körperlichen Symptomen einhergeht. Furcht dagegen ist die Angst vor bestimmten Dingen oder Situationen, wie etwa die Angst vorm Fliegen oder vor Spinnen. Daher teilen Expert:innen Angst in zwei verschiedene Arten ein:
- Adaptive Ängste wie etwa Lampenfieber vor einer Präsentation oder Angst vor einer Prüfung liegen bei der Mehrzahl aller Menschen vor. Die adaptive Angst ist eine biologisch sinnvolle Schutzreaktion, die den Kampf-Flucht-Mechanismus aktiviert und mit Symptomen wie Herzrasen, Schwitzen und innerer Anspannung einhergeht. Im Gegensatz zu einer generalisierten Angsterkrankung treten solche Ängste kurzzeitig auf, sind situationsbedingt und verschwinden danach in der Regel wieder.
- Maladaptive Ängste sind meist unbegründete und eher irrationale Ängste. Sie entstehen durch einen Fehlalarm, das dem Hirn potenzielle Gefahren vorgaukelt. Diese übersteigerten Ängste, die nicht an reale Gefahren geknüpft sind, haben ihre Wurzel oft in einem traumatischen Erlebnis. Ihre Symptome gehen weit über das reguläre Angstempfinden hinaus. Diese Art von Angst schützt Betroffene nicht länger vor Gefahren, sondern beeinträchtigt den Alltag stark.
Beide Arten der Ängste sind nicht krankhaft, insofern sie keine extremen Einschränkungen oder Vermeidungsverhalten bei Betroffenen auslösen. Viele Menschen haben beispielsweise stark ausgeprägte Angst vor dem Zahnarzt oder der Zahnärztin und kommen dennoch gut durch den Alltag. Problematisch wird es erst, wenn die Angst jeden Gedanken und das Leben bestimmt.
Die Klassifizierung von Angststörungen nach ICD-10 und DSM-5
Angststörungen werden laut ICD-10 in der Internationalen Klassifikation der Krankheiten unterteilt. Dabei greifen Therapeut:innen auf ein weltweit anerkanntes Diagnose-Tool der WHO (World Health Organization) zurück, das Angststörungen nach ICD-10 in phobische Störungen, Panikstörungen oder generalisierte Angststörungen unterteilt. Der Code dient wie bei DSM-5 für Angststörungen der einheitlichen Diagnose sowie präzisen Kommunikation zwischen beispielsweise Ärzt:innen und Krankenkassen.
Das DSM-5 ist ebenso ein Klassifikationssystem für psychische Erkrankungen. Im DSM-5 werden Angststörungen in spezifische Angststörungen wie etwa Trennungsangst unterteilt. Um die richtige Diagnose zu stellen, müssen sich Ärzt:innen über eine ausführliche Anamnese Gewissheit über die Symptome ihrer Patient:innen verschaffen.
Wie äußert sich eine generalisierte Angststörung?
Das Spektrum der Symptome einer generalisierten Angststörung ist breit und kann von Fall zu Fall variieren. Um eine Angsterkrankung von der herkömmlichen Definition von Angst zu unterscheiden, lohnt ein Blick auf die typischen Symptome.
Dauerangst und permanente Angstzustände im Alltag
Für Betroffene einer generalisierten Angststörung ist die Angst ein ständiger Begleiter. Dauerangst begleitet Menschen mit einer generalisierten Angststörung oft immer und überall. Das ganze Leben kann zu einer einzigen wahrgenommenen Bedrohung werden. Das ist für Betroffene, wie auch Angehörige, extrem belastend. Die Familie versteht die „übertriebenen Ängste“ nicht und macht häufig den Fehler, sie zu verharmlosen oder sich sogar darüber lustig zu machen. Das sorgt häufig dafür, dass Betroffene tiefer in Scham und Isolation versinken. Wichtig sind sanfte Hinweise, dass keine wirkliche Gefahr besteht und das Anbieten von Unterstützung.
Körperliche und psychische Symptome: Wie äußert sich eine generalisierte Angststörung konkret?
Dauerangst äußert sich durch physische und psychische Symptome, die von Fall zu Fall unterschiedlich sein und sich mit der Zeit verändern können. Wichtig ist, körperliche Ursachen ärztlich auszuschließen. Häufen sich die Arztbesuche, ohne dass je eine körperliche Ursache festgestellt wird, steckt nicht selten eine generalisierte Angststörung hinter den Symptomen.
Körperliche Symptome:
- Herzrasen
- Kurzatmigkeit
- Schwindel
- Zittern
- Schwitzen
- Muskelverspannungen
- Magenbeschwerden
- Schlafprobleme
Psychische Symptome:
- Permanente „Was-wäre-Wenn“-Gedanken
- Durchspielen von Horrorszenarien
- Angst vor der Angst
- Gedankenkarussell
- Konzentrationsstörungen
- Nervosität
Diagnose F41.1 G: Das steckt hinter der klinischen Bezeichnung
Eine generalisierte Angststörung hat den ICD-Code F41.1. Entgegen der üblichen Definition von Angst steckt hinter der klinischen Bezeichnung die unerklärliche Angst ohne tatsächliche Bedrohung. Die F41.1 Diagnose wird gestellt, wenn Betroffene über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten durchgehend an übermäßiger Besorgnis leiden, die auf kein spezielles Ereignis zurückzuführen ist. Begleiterscheinungen können Symptome wie Magenproblemen, Herzrasen, Ruhelosigkeit, Muskelverspannungen, Schwitzen und Übelkeit sein.
Overthinking loswerden und negative Gedanken stoppen
Overthinking heißt übersetzt so viel wie „Zerdenken“ und ist Betroffenen einer generalisierten Angststörung ein wohl vertrauter Begriff. Wer mehr Ruhe in den eigenen Kopf bringen möchte, sollte zunächst damit beginnen, die eigenen Gedanken zu beobachten und sich die folgenden Fragen zu stellen:
- Worum dreht sich mein Gedankenkarussell?
- An welchen Sorgen bleibe ich immer wieder hängen?
- Sind meine Gedanken realistisch?
- Bringt mich diese Sorge der Lösung näher?
Wer seine Gedanken bewusst beobachtet, geht einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung. Sorgen können in einem Gedankentagebuch notiert werden. Das hilft nicht nur, Gedankenmuster zu erkennen, sondern ist ein wichtiger Schritt, die Ängste aus dem Kopf zu bekommen. In Finnland ist das „Sorgen-Niederschreiben“ sogar ein beliebtes Abendritual für Kinder, um die Ängste aus dem Kopf zu bekommen. Dass sich das Modell bewährt, wird anhand der Tatsache deutlich, dass die Finn:innen aktuell wieder einmal das glücklichste Volk der Welt sind.
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Sind Angststörungen heilbar?
Die F41.1 Diagnose hilft Betroffenen, der Angst ein Gesicht zu geben. Wenn du dich auch schon gefragt hast: Gehen Angststörungen wieder weg? Dann sei dir versichert: Angststörungen sind gut behandelbar. Durch kognitive Verhaltenstherapie und gegebenenfalls medikamentöse Unterstützung können bis zu 80 % der Angst-Patient:innen langfristig symptomfrei werden. Eine erfolgreiche Behandlung erfordert dabei jedoch Geduld, Motivation und gezielte therapeutische Arbeit.