Machst du dir häufig Sorgen und hast das Gefühl, dass deine Gedanken kaum zur Ruhe kommen? Vielleicht fragst du dich, ob das noch „normal“ ist oder schon in Richtung Angststörung geht. Mit dieser Unsicherheit bist du nicht allein. Viele Menschen erleben solche Phasen, in denen Gedanken immer wiederkehren und sich nur schwer abschalten lassen.
In diesem Artikel findest du einen einfachen Selbsttest, der dir eine erste Orientierung geben kann. Du erfährst außerdem, woran sich eine generalisierte Angststörung erkennen lässt, wie solche Tests einzuordnen sind und wann es sinnvoll sein kann, dir Unterstützung zu holen. Der Test ersetzt keine Diagnose – kann dir aber helfen, deine Situation besser zu verstehen und nächste Schritte für dich zu klären.
Wenn Sorgen den Alltag bestimmen
Vielleicht kennst du dieses Gefühl sehr gut: Dein Kopf kommt kaum zur Ruhe. Kaum ist ein Gedanke vorbei, taucht schon der nächste auf. Deine Gedanken kreisen um mögliche Probleme, zukünftige Situationen oder Dinge, die schiefgehen könnten.
Oft wirken diese Gedanken zunächst sinnvoll – schließlich möchtest du vorbereitet sein. Doch mit der Zeit können sie sich verselbstständigen und immer mehr Raum einnehmen.
Typische Gedanken können sein:
- „Was, wenn etwas passiert?“
- „Ich muss auf alles vorbereitet sein.“
- „Ich kann das nicht einfach abschalten.“
Vielleicht bemerkst du auch, dass es dir schwerfällt, diese Gedankenspiralen bewusst zu unterbrechen. Selbst in ruhigen Momenten bleibt eine innere Anspannung bestehen.
Wenn dich solche Gedanken häufig begleiten oder sogar belasten, kann es hilfreich sein, genauer hinzuschauen. Ein Selbsttest kann dabei eine erste Orientierung geben und dir helfen, deine Situation besser einzuordnen.
Was ist eine generalisierte Angststörung?
Die generalisierte Angststörung (GAS) ist eine Form von Angst, die sich nicht auf eine einzelne Situation beschränkt. Stattdessen sind die Sorgen breit gefächert und betreffen oft verschiedene Lebensbereiche gleichzeitig – zum Beispiel Arbeit, Gesundheit, Beziehungen oder alltägliche Verpflichtungen.
Typisch ist:
- anhaltende Sorgen über viele verschiedene Themen
- Schwierigkeiten, diese Sorgen bewusst zu kontrollieren
- ein Gefühl ständiger innerer Anspannung
- körperliche Symptome wie Nervosität, Muskelverspannung oder Unruhe
Viele Betroffene berichten, dass sich die Sorgen kaum „abschalten“ lassen – selbst dann nicht, wenn objektiv kein akuter Anlass besteht. Diese Merkmale entsprechen auch den diagnostischen Kriterien internationaler Klassifikationssysteme (vgl. American Psychiatric Association, 2013).
Wichtig ist: Sorgen an sich sind etwas ganz Menschliches und erfüllen sogar eine Funktion. Sie helfen uns, Probleme zu erkennen und Lösungen zu finden. Entscheidend ist jedoch, wie stark sie werden, wie lange sie anhalten und wie sehr sie deinen Alltag beeinflussen.
Angst Test: Erste Orientierung für dich
Die folgenden Fragen orientieren sich an wissenschaftlich erprobten Fragebögen zur Einschätzung von Angstbelastung, insbesondere am GAD-7 (vgl. Spitzer et al., 2006). Beachte bitte, dass dieser Test ausschließlich zur Orientierung dient. Er ersetzt keine fachliche Diagnose.
Selbsttest – Wie oft trifft das auf dich zu?
Beziehe deine Antworten auf die letzten zwei Wochen:
- 0 = gar nicht
- 1 = an einzelnen Tagen
- 2 = an mehr als der Hälfte der Tage
- 3 = fast jeden Tag
Gib dann an, wie oft die folgenden Dinge auf dich zugetroffen haben:
- Ich mache mir häufig Sorgen über verschiedene Dinge.
- Es fällt mir schwer, meine Gedanken zu stoppen oder zu kontrollieren.
- Ich fühle mich oft angespannt, nervös oder „unter Strom“.
- Ich habe Schwierigkeiten, mich wirklich zu entspannen.
- Ich fühle mich im Alltag schnell überfordert.
- Ich grüble viel über mögliche negative Ereignisse oder Szenarien.
- Ich nehme körperliche Symptome wahr, z. B. Unruhe, Herzklopfen oder Muskelspannung.
Auswertung (zur groben Einordnung)
Addiere deine Punkte:
- 0–5 Punkte: eher geringe Belastung
- 6–10 Punkte: mögliche erhöhte Anspannung
- 11+ Punkte: stärkere Belastung – es könnte sinnvoll sein, genauer hinzuschauen
Diese Einordnung ist bewusst vorsichtig formuliert. Sie soll dir keine Diagnose liefern, sondern dir eine erste Orientierung geben.
Was sagt so ein Angsttest aus – und was nicht?
Ein Selbsttest kann ein hilfreicher erster Schritt sein. Er kann dir dabei helfen:
- deine Gedanken und Gefühle bewusster wahrzunehmen
- Muster in deinem Erleben zu erkennen
- dich aktiv mit deiner Situation auseinanderzusetzen
Gleichzeitig ist es wichtig zu verstehen, was ein solcher Test nicht leisten kann.
Der Selbsttest:
- gibt eine grobe Einschätzung
- basiert auf typischen, standardisierten Fragen
- dient der persönlichen Orientierung
Die Diagnose:
- erfolgt durch geschultes Fachpersonal
- berücksichtigt deine gesamte Lebenssituation
- bezieht auch körperliche, soziale und biografische Faktoren ein
- bildet die Grundlage für eine mögliche Behandlung
Dieser Unterschied ist entscheidend, um Ergebnisse realistisch einzuordnen.
Was ist der DASS-Test?
Vielleicht bist du bereits auf den sogenannten DASS-Test gestoßen. DASS steht für Depression Anxiety Stress Scales – ein wissenschaftlich entwickelter Fragebogen, der drei Bereiche erfasst (vgl. Lovibond & Lovibond, 1995):
- Depression
- Angst
- Stress
Er wird häufig in der Forschung und auch in der Praxis eingesetzt, um psychische Belastungen systematisch einzuschätzen. Wichtig zu wissen: Auch der DASS-Test ist ein Screening-Instrument. Das bedeutet, er hilft dir bei der Einschätzung, ersetzt aber keine Diagnose.
Woran du eine stärkere Belastung erkennen kannst
Unabhängig von Testergebnissen gibt es einige Hinweise darauf, dass Angst in deinem Leben eine größere Rolle spielen könnte:
- deine Sorgen begleiten dich über längere Zeit hinweg
- du fühlst dich häufig angespannt oder innerlich unruhig
- dein Alltag fällt dir schwerer als sonst
- du beginnst, bestimmte Situationen zu vermeiden
- deine Gedanken lassen sich kaum noch bewusst steuern
Solche Anzeichen sind kein Grund zur Panik, aber ein guter Anlass, genauer hinzuschauen.
Wann es sinnvoll ist, dir Unterstützung zu holen
Vielleicht stellst du dir die Frage: „Ab wann sollte ich etwas tun?“
Eine klare Grenze gibt es nicht. Unterstützung kann bereits dann sinnvoll sein, wenn du merkst:
- deine Sorgen belasten dich spürbar
- du kaum noch zur Ruhe kommst
- deine Lebensqualität eingeschränkt ist
- du das Gefühl hast, allein nicht weiterzukommen
Du musst nicht warten, bis es „schlimm genug“ ist. Frühe Unterstützung kann oft besonders hilfreich sein.
Was dir im Alltag helfen kann
Auch ohne Diagnose kannst du erste Schritte unternehmen, um besser mit Sorgen umzugehen.
Unterstützende Strategien können zum Beispiel sein:
- Gedanken aufzuschreiben hilft, Abstand zu gewinnen und Klarheit zu schaffen
- Feste Grübelzeiten einzuplanen begrenzt das Gedankenkreisen bewusst
- Den Körper einbeziehen, mit Bewegung, Atemübungen oder Entspannungstechniken, kann helfen
- Realistische Erwartungen zu setzen, reduziert inneren Druck und Perfektionismus
Selbst kleine Schritte können hier schon einen Unterschied machen.
Finde psychologische Soforthilfe, wenn du sie brauchst
Alltagsnahe Unterstützung erhältst du mit velibra, einem digitalen Therapieprogramm zur Behandlung von Angststörungen. velibra bietet dir praxisnahe Übungen und Strategien, die dich dabei unterstützen, deine Gedanken besser zu verstehen und Schritt für Schritt anders mit belastenden Situationen umzugehen.
velibra ist für dich kostenlos auf Rezept verfügbar – die Kosten übernimmt deine Krankenkasse. Deine Ärztin, dein Arzt oder eine psychotherapeutische Fachkraft kann dir velibra verordnen. Von deiner Krankenkasse erhältst du anschließend einen Freischaltcode, den du ganz einfach auf der velibra Website einlösen kannst.
Du möchtest mit velibra starten?
Fazit – Du darfst dir Klarheit holen
Ein Test ist kein Urteil, sondern ein möglicher Anfang. Du musst nicht sofort alles verstehen oder lösen. Viel wichtiger ist:
- dass du deine Gefühle ernst nimmst
- dass du hinschaust
- und dir Unterstützung holst, wenn du sie brauchst
Veränderung passiert nicht auf einmal, sondern Schritt für Schritt. Und genau so darf auch dein Weg aussehen.