Herzrasen, Druck und ein Engegefühl in der Brust – kaum etwas fühlt sich so bedrohlich an wie Beschwerden in der Herzregion. Panikattacken lösen Symptome am Herz aus, die Betroffene in Angst und Schrecken versetzen, ohne dass eine tatsächliche Gefahr vorliegt. Dieser Artikel hilft dir sanft und präzise bei der Symptomdeutung zwischen Panikattacken und Herzinfarkt zu unterscheiden und gibt dir sanfte Unterstützung für den Akutfall.
Herzsymptome bei Angst und Panik
Das es bei einer Panikstörung häufig zu Bluthochdruck und Symptomen wie Herzrasen oder einem Engegefühl in der Brust kommt, ist kein Zufall. Bei intensiver Angst wird das Gehirn in Alarmbereitschaft versetzt. Der Kampf-oder-Flucht-Modus ist aktiv, weshalb das vegetative Nervensystem vermehrt das Stresshormon Cortisol ausschüttet, um den Körper auf alle Gefahren vorzubereiten. Dabei erhöht sich auch der Herzschlag.
Panikattacken: Typische Symptome am Herz
Panikattacken beginnen häufig mit plötzlichem Herzrasen oder einem unregelmäßigen Herzschlag. Nicht selten können stressbedingte Symptome wie Herzstolpern oder Tachykardie (Herzrasen) eine Panikattacke auslösen. Beides ist harmlos und kommt auch bei Menschen ohne Generalisierte Angststörung mitunter vor.
Beim Herzstolpern handelt es sich um einen harmlosen Extraschlag des Herzens. Die häufigste Ursache für diese Art der Herz-Rhythmus-Störung ist Stress. Extrasystolen können als Einzelschläge, Doppelschläge oder Salven auftreten. Der Genuss von Alkohol, Nikotin und Koffein kann Herzstolpern begünstigen. Auch intensiver Sport oder Saunieren können durch Verschiebungen der Elektrolyte im Blut Extrasystolen auslösen. Betroffene haben häufig das Gefühl intensiver innerer Unruhe, die sich bis zur Todesangst steigern kann.
Während Panikattacken und Herzrasen bei den einen vor allem nachts auftreten, wenn Dunkelheit und Stille erdrückend werden, leiden andere vor allem morgens unter den Auswirkungen der Panikstörung und Bluthochdruck. Grund dafür ist der erhöhte Cortisolspiegel, der den Körper auf die Aktivität des Tages vorbereiten soll.
Häufige Begleiterscheinungen einer Panikstörung sind Bluthochdruck, Atemnot, Zittern, Schwitzen, Schwindel, Verdauungsprobleme und Schmerzzustände. Zudem berichten Betroffene immer wieder vom Gefühl „verrückt zu werden“. Dies kommt vor allem daher, weil sie meist wissen, dass keine körperliche Ursache zugrunde liegt, sich die Symptome aber sehr real zeigen. Der Leidensdruck ist immens.
Sind Panikattacken gefährlich für das Herz?
Nein, obwohl Panikattacken Symptome am Herz auslösen, die sich äußerst bedrohlich und unangenehm anfühlen, sind sie keine Gefahr für die Herzgesundheit. Viele Patient:innen einer Generalisierten Angststörung, die regelmäßig an Panikattacken leiden, entwickeln mit der Zeit eine Kardiophobie, die sogenannte „Herzangst“. Diese Angst vor der Angst führt zu einer extremen Selbstbeobachtung, die vorhandene Panikattacken und ihre Symptome am Herz verstärken kann. Nicht selten sind Betroffene Dauergäste in Herzkliniken oder der Notaufnahme, weil ihre Furcht vor einem Infarkt sie zwingt, die Symptome immer wieder ärztlich abklären zu lassen.
Auch wenn sich die Panikattacken-Symptome am Herz ähnlich anfühlen können wie ein Herzinfarkt, sind diese nicht lebensbedrohlich. Panikattacken sind eine Reaktion des Nervensystems auf Angst, während bei einem Herzinfarkt akute Durchblutungsstörung des Herzmuskels vorliegen. Wer zum ersten Mal an den Symptomen leidet, sollte diese zwingend ärztlich abklären lassen, um körperliche Ursachen ausschließen zu können. Wenn du mit deiner Generalisierten Angststörung oder Panikattacken vertraut bist, kennst du die Symptome bereits und kannst dich mit der Gewissheit beruhigen, dass sie vorüber gehen und keine reale Bedrohung für Leib und Leben besteht.
Panikstörungen und Bluthochdruck
Der Zusammenhang dieser beiden Phänomene hat häufig eine Wechselwirkung. Bluthochdruck ist ein häufiges Symptom bei einer Panikstörung. Im Gegenzug kann Bluthochdruck eine Panikattacke auslösen oder begünstigen. Dies liegt daran, dass der erhöhte Cortisolspiegel den Puls beschleunigt. Zudem verändern sich auch Atemfrequenz, Körpertemperatur und die Sauerstoffsättigung im Blut. Während einer akuten Panikattacke ist es nicht ungewöhnlich, dass Patient:innen Werte von 180 mmHg und mehr messen. Schon das Messen der Vitalwerte während der Attacke an sich kann, durch die Angst vor dem Ergebnis, den Blutdruck in die Höhe treiben.
Hypertonie und Angst hängen eng zusammen. Der Anstieg des Blutdrucks in extremen Stresssituationen ist ein wichtiger Schutzmechanismus des Körpers, der dich darauf vorbereiten will, diese Situation zu meistern.
Panikattacken und Herzrasen – Was tun?
Patient:innen einer Generalisierten Angststörung sind häufig auch mit Panikattacken vertraut und erkennen die ersten Herzsymptome sofort. Das bietet den nicht zu unterschätzenden Vorteil, rechtzeitig gegensteuern zu können. Bei einer akuten Panikattacke heißt es: Ruhe bewahren.
Das ist leichter gesagt als getan, wenn dir das Herz sprichwörtlich zum Hals schlägt. Wenn du dir bewusst machst, dass die Symptome ungefährlich für dich sind und vorrübergehen, entmachtest du die Angst. Bleibe an Ort und Stelle, anstatt aus der Situation zu fliehen. Befindest du dich gerade im Auto, fahr rechts ran und greife auf die bewährtesten Beruhigungstechniken zurück:
- Die 4-7-8-Atmung: Atme vier Sekunden durch die Nase ein, halte den Atem sieben Sekunden und atme dann acht Sekunden lang langsam durch den Mund aus. Wiederhole das so oft, bis die körperlichen Folgen der Panikattacke nachlassen.
- Kaltes Wasser: Bespritze dein Gesicht mit kaltem Wasser oder nimm einen Eiswürfel in die Hand. Der Kältereiz lenkt das vegetative Nervensystem von der Angst ab.
- Erdung: Achte auf eine gerade Haltung und stelle beide Füße fest auf den Boden. Konzentriere dich auf deine Umgebung, Gerüche, Geräusche und Gegenstände, die du in diesem Moment wahrnehmen kannst.
Gönne dir nach der Panikattacke etwas Gutes wie eine Tasse Kakao oder ein Vollbad. Du und dein Körper haben gerade Höchstleistungen vollbracht. Anstatt dich für die Panikattacke zu schämen, solltest du jedes Mal stolz darauf sein, dass du die Situation wieder gemeistert hast. Wer seine Angst annimmt, anstatt dagegen anzukämpfen, ist auf dem besten Weg, sie zu besiegen.
Begleiterscheinung: Psychogener Schwindel und Roemheld-Syndrom
Übelkeit, Appetitlosigkeit und Durchfall. Neben den typischen Panikattacken Symptomen rund um das Herz, ist auch der Magen-Darm-Trakt von den Auswirkungen einer Angsterkrankung betroffen. Auch eine stressbedingte Gasansammlung im Darm kann für Herzprobleme sorgen. Ursache dafür ist das Roemheld-Syndrom, bei dem mehr Gas entsteht als der Körper abstoßen kann. Die Folge ist die Anhebung des Zwerchfells Richtung Herz, was Herzrasen und Herzstolpern auslösen kann.
Auch Psychogener Schwindel, wie phobischer Schwankschwindel, ist eine häufige Begleiterscheinung von Panik- und Angststörungen. Dabei handelt es sich um unvorhergesehene Schwindelattacken ohne körperliche Ursache, bei denen Betroffene das Gefühl haben, zu fallen. Häufig tritt dieser Schwankschwindel in psychisch belastenden Situationen auf und verschwindet so schnell wie er gekommen ist.
Medikamentöse und therapeutische Unterstützung
Einige Patient:innen fragen sich, ob Betablocker gegen Angst helfen können, schließlich sind es Medikamente zur erfolgreichen Behandlung von Bluthochdruck. Davon ist allerdings dringend abzuraten, denn nicht alle Menschen mit einer Panikstörung leiden unter Bluthochdruck. Häufig ist sogar das Gegenteil der Fall, was fatal wäre, wenn diese Patient:innen Betablocker bei Angststörungen einsetzen. Tatsächlich kam es weltweit in diesem Zusammenhang schon zu tödlichen Überdosierungen. Auch Neben- und Wechselwirkungen solcher Blutdrucksenker wie Müdigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen und Übelkeit sind nicht zu unterschätzen. Statt der gewünschten Linderung, hast du bei der Medikamenteneinnahme gegen deine Angststörung eventuell also mit neuen körperlichen Herausforderungen zu kämpfen.
Die beste Unterstützung bei einer Panikstörung mit Bluthochdruck ist die professionelle Therapie, welche die Symptome an der Wurzel angeht. Nicht jede:r möchte eine Gesprächstherapie oder bekommt sofort einen der rar gesäten Therapieplätze. Eine gute Alternative zum Selbstmanagement sind digitale Anwendungen wie velibra. Das Online-Therapieprogramm bietet alltagsnahe Unterstützung zur Behandlung von diversen Angststörungen. Der umfangreiche Praxis- und Übungsteil zum Erlernen hilfreicher Strategien ist kostenlos auf ärztliches Rezept für dich verfügbar. Somit holst du dir die Macht über dein Leben zurück und bist für die nächste Herausforderung gewappnet.