Generalisierte Angststörung: Wenn die Angst den Alltag überschattet
Zusammenfassung

Angst gehört zum Leben. Sie kann uns warnen, wenn eine Situation tatsächlich gefährlich ist und dafür sorgen, dass wir aufmerksam und handlungsbereit sind. Bei einer generalisierten Angststörung nimmt die Angst jedoch immer mehr Raum im Alltag ein. Sorgen tauchen immer wieder auf, beziehen sich auf ganz unterschiedliche Lebensbereiche und lassen sich nur schwer kontrollieren. Eine generalisierte Angststörung kann sich dabei nicht nur psychisch bemerkbar machen. Auch körperliche Symptome gehören neben dem einnehmenden “Was wäre, wenn?”-Gedankenchaos dazu.

In diesem Artikel erfährt du, wann man von einer generalisierten Angststörung spricht, wie sich diese äußert und welche Möglichkeiten es gibt, wieder einen besseren Umgang mit Sorgen und Ängsten zu entwickeln.

Generalisierte Angststörung: Das Wichtigste kurz gefasst

  • Die generalisierte Angststörung ist eine psychische Erkrankung, bei der über einen längeren Zeitraum übermäßige und schwer kontrollierbare Sorgen auftreten.
  • Die Sorgen beziehen sich häufig auf mehrere Lebensbereiche, etwa Gesundheit, Familie, Arbeit oder finanzielle Sicherheit.
  • Zu den Symptomen einer generalisierten Angststörung gehören sowohl psychische als auch körperliche Beschwerden.
  • Ein Online-Test auf eine generalisierte Angststörung kann erste Hinweise liefern, ersetzt aber keine fachliche Diagnose.
  • Die Ursachen sind meist nicht auf einen einzelnen Auslöser zurückzuführen. Biologische, psychologische und soziale Faktoren können zusammenspielen.
  • Eine generalisierte Angststörung ist gut behandelbar. Besonders die kognitive Verhaltenstherapie kann dabei helfen, den Umgang mit Sorgen und Ängsten langfristig zu verändern.

Was ist eine generalisierte Angststörung?

Eine generalisierte Angststörung, kurz GAS, ist eine Form verschiedener Angststörung, für die es eine offizielle medizinische Diagnose gibt. Im Mittelpunkt der Erkrankung stehen anhaltende Sorgen und Ängste, die sich nicht auf eine einzelne Situation oder ein bestimmtes Objekt beschränken, sondern eben generalisiert sind. Anders als beispielsweise bei einer spezifischen Phobie können sich die Sorgen einer GAS auf nahezu alle Lebensbereiche beziehen. Häufig geht es um Dinge, die theoretisch passieren könnten, obwohl aktuell kein konkreter Grund zur Sorge besteht.

Typisch ist dabei nicht nur das Auftreten einzelner Angstgedanken. Entscheidend ist vielmehr, dass die Sorgen anhaltend, schwer kontrollierbar und belastend sind. Du weißt vielleicht rational, dass ein bestimmtes Szenario eher unwahrscheinlich ist und trotzdem gelingt es dir nicht, den Gedanken einfach loszulassen. Oft ist es so, dass Menschen mit einer generalisierten Angststörung stets das Schlimmste befürchten. Aus einer Sorge entsteht die nächste:

  • „Was, wenn ich meinen Job verliere?“
  • „Was, wenn ich dann finanzielle Probleme bekomme?“
  • „Was, wenn dadurch auch meine Beziehung belastet wird?“

So kann sich ein selbst verstärkender Sorgenkreislauf und großer Leidensdruck entstehen. Dieses zermürbende Gedankenkarussell kennen rund 5 Prozent der Menschen in Deutschland, die im Laufe ihres Lebens eine generalisierte Angststörung entwickeln, Frauen etwa doppelt so häufig wie Männer. Häufig beginnt die Erkrankung im Erwachsenenalter und entwickelt sich schleichend. Gute und schwierigere Phasen können sich dabei abwechseln.

Worin unterscheidet sich die generalisierte Angststörung von normalen Sorgen?

Sich gelegentlich Sorgen zu machen, ist völlig normal. Entscheidend ist daher nicht, ob du dir Sorgen machst, sondern wie häufig, intensiv und belastend diese Sorgen sind. Bei einer generalisierten Angststörung können Sorgen:

  • einen großen Teil des Tages einnehmen
  • sich nur schwer unterbrechen oder kontrollieren lassen
  • von einem Thema zum nächsten springen
  • den Schlaf beeinträchtigen
  • die Konzentration erschweren
  • körperliche Anspannung auslösen
  • den Alltag oder soziale Beziehungen zunehmend beeinflussen

Das kann dazu führen, dass sich die betroffene Person ständig auf mögliche Probleme vorbereitet, Situationen vermeidet oder immer wieder nach Rückversicherung sucht, um ein Gefühl von Kontrolle zu erzeugen.

Was sind die Symptome einer generalisierten Angststörung?

Die Symptome einer generalisierte Angststörung sind nicht bei allen Menschen gleich, weswegen es manchmal schwer sein kann, die Erkrankung klar zu erkennen. Typisch ist jedoch eine Kombination aus anhaltenden Sorgen, innerer Anspannung und körperlichen Beschwerden. Die Angst zeigt sich deshalb häufig nicht nur im Denken, sondern auch im Körper.

Psychische Symptome einer generalisierten Angststörung

Zu den häufigsten psychischen Symptomen der GAS gehören:

  • übermäßige und anhaltende Sorgen
  • ständiges Grübeln
  • Schwierigkeiten, Sorgen zu kontrollieren
  • innere Unruhe und Anspannung
  • erhöhte Reizbarkeit
  • Konzentrationsprobleme
  • das Gefühl, ständig „auf der Hut“ zu sein
  • Schwierigkeiten abzuschalten
  • Angst vor möglichen zukünftigen Ereignissen

Besonders typisch ist, dass die Sorgen nicht unbedingt einen konkreten Anlass benötigen. Ist ein Problem gelöst, kann sich die Aufmerksamkeit schnell auf ein anderes mögliches Problem richten.

Körperliche Symptome einer generalisierten Angststörung

Auch körperliche Symptome einer generalisierten Angststörung können sehr belastend sein. Der Körper befindet sich durch die dauerhafte Anspannung gewissermaßen in einem Zustand erhöhter Alarmbereitschaft. Mögliche Beschwerden sind dann:

  • Muskelverspannungen
  • Kopfschmerzen
  • Herzklopfen oder beschleunigter Herzschlag
  • Schwitzen
  • Zittern
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Schlafstörungen
  • schnelle Erschöpfbarkeit
  • innere Unruhe
  • Atembeschwerden oder ein Gefühl von Enge
  • erhöhte körperliche Anspannung

Nicht jede dieser Beschwerden bedeutet automatisch, dass eine generalisierte Angststörung vorliegt. Körperliche Symptome können zahlreiche andere Ursachen haben und sollten bei neuen oder starken Beschwerden ärztlich abgeklärt werden.

Generalisierte Angststörung: Das können Ursachen und Risikofaktoren sein

Die Frage nach den Auslösern und Ursachen einer generalisierten Angststörung lässt sich nicht mit einem einzigen Auslöser beantworten. Wie bei vielen psychischen Erkrankungen spielen mehrere Faktoren zusammen. Dazu können biologische, psychologische und soziale Einflüsse gehören.

  • Biologische Faktoren

Menschen unterscheiden sich unter anderem darin, wie empfindlich ihr Stress- und Angstsystem reagiert. Auch genetische Faktoren können eine Rolle spielen. Darüber hinaus werden Veränderungen in verschiedenen Botenstoffsystemen und Netzwerken des Gehirns untersucht, die an der Verarbeitung von Angst und Stress beteiligt sind. Das bedeutet jedoch nicht, dass eine generalisierte Angststörung allein durch eine bestimmte biologische Ursache entsteht.

  • Psychologische Faktoren

Auch die Art und Weise, wie wir Situationen bewerten und mit Unsicherheit umgehen, kann die Entstehung und Aufrechterhaltung einer Angststörung beeinflussen. Eine wichtige Rolle kann beispielsweise die Tendenz spielen, mögliche Gefahren besonders stark wahrzunehmen oder negative Konsequenzen zu überschätzen. Auch der Wunsch nach Sicherheit kann den Sorgenkreislauf langfristig verstärken. Wer beispielsweise immer wieder überprüft, ob wirklich alles in Ordnung ist, erlebt kurzfristig Erleichterung. Langfristig kann dadurch jedoch die Überzeugung entstehen, dass etwas Schlimmes passieren könnte, wenn man nicht vorher kontrolliert.

  • Belastende Lebensereignisse

Länger anhaltender Stress, belastende Lebenssituationen oder einschneidende Erfahrungen können ebenfalls eine Rolle spielen. Dabei gibt es nicht zwangsläufig den einen Auslöser. Häufig entwickelt sich eine Angststörung aus dem Zusammenspiel verschiedener Belastungen und individueller Voraussetzungen.

Kann ich mit einem Online-Test feststellen, ob ich eine generalisierte Angststörung habe?

Wenn du dich in vielen der beschriebenen Symptome wiedererkennst, stellt sich schnell die Frage, ob bei dir auch eine GAS vorliegen könnte. Ein frei verfügbarer Online-Test auf eine generalisierte Angststörung kann dir dabei eine erste Orientierung geben. Verschiedene standardisierte Fragebögen erfassen beispielsweise, wie häufig Sorgen auftreten und wie stark sie den Alltag beeinträchtigen.

Ein häufig verwendetes Screening-Instrument ist beispielsweise der GAD-7 (Generalized Anxiety Disorder-7). Dabei werden verschiedene Beschwerden anhand ihrer Häufigkeit eingeschätzt.

Wichtig ist jedoch: Ein Fragebogen kann Hinweise liefern, aber keine Diagnose stellen. Für eine diagnostische Einschätzung wird unter anderem betrachtet:

  • welche Beschwerden bestehen
  • wie lange sie bereits auftreten
  • wie stark sie den Alltag beeinträchtigen
  • ob die Sorgen schwer kontrollierbar sind
  • ob körperliche oder psychische Erkrankungen die Beschwerden erklären könnten
  • ob möglicherweise eine andere Angststörung oder eine weitere psychische Erkrankung vorliegt

Wenn du den Eindruck hast, dass deine Sorgen deinen Alltag zunehmend bestimmen, kann ein Gespräch mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder einer psychotherapeutischen Fachperson ein sinnvoller nächster Schritt sein.

Generalisierte Angststörung nach ICD-10

Auch die generalisierte Angststörung ist im Klassifikationssystem für Krankheiten, dem ICD-10, klar definiert. Hier wird sie unter F41.1 geführt. Im Mittelpunkt stehen eine über längere Zeit anhaltende und nicht auf bestimmte Situationen beschränkte Angst beziehungsweise Sorgen. Hinzu kommen häufig verschiedene körperliche und psychische Angstsymptome. In der Regel ist von einem Zeitraum von mindestens sechs Monaten die Rede.

Ist eine generalisierte Angststörung heilbar?

Eine generalisierte Angststörung ist in der Regel gut behandelbar und in vielen Fällen auch heilbar. Das Ziel der Behandlung ist nicht unbedingt, niemals wieder Sorgen zu haben. Vielmehr geht es darum, einen flexibleren und produktiveren Umgang mit Unsicherheit und Angst zu entwickeln, sodass die Sorgen nicht mehr den Alltag bestimmen. Dennoch ist es so, dass eine generalisierte Angststörung eher nicht von alleine verschwindet, sondern gezielte Therapiemaßnahmen benötigt. Dabei können verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zum Einsatz kommen.

Kognitive Verhaltenstherapie

Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) gehört zu den gut untersuchten psychotherapeutischen Verfahren bei Angststörungen. Dabei geht es unter anderem darum:

  • typische Sorgenmuster zu erkennen
  • automatische Gedanken zu hinterfragen
  • Unsicherheit besser auszuhalten
  • Sicherheitsverhalten zu reduzieren
  • neue Verhaltensweisen auszuprobieren
  • einen selbstbestimmteren Umgang mit Angst zu entwickeln

Ein wichtiger Bestandteil kann auch sein, sich schrittweise mit Situationen auseinanderzusetzen, die bisher aus Angst vermieden wurden. Dies wird im Rahmen einer Expositionstherapie eingeübt.

Medikamente

Je nach Ausprägung der Beschwerden können auch Medikamente Teil der Behandlung einer generalisierten Angststörung sein. Welche Behandlung geeignet ist, hängt unter anderem von der individuellen Situation, weiteren Erkrankungen und persönlichen Präferenzen ab und sollte ärztlich besprochen werden.

Was kannst du bei einer generalisierten Angststörung selbst tun?

Nicht jede Sorge lässt sich sofort abschalten. Ein erster Schritt kann deshalb sein, nicht gegen jeden einzelnen Gedanken anzukämpfen, sondern die eigenen Muster besser zu verstehen. Hierfür kann es beispielsweise hilfreich sein, über einige Tage zu beobachten:

  • Welche Sorgen tauchen besonders häufig auf?
  • In welchen Situationen beginnen sie?
  • Wie reagiert dein Körper darauf?
  • Was tust du anschließend, um dich wieder sicherer zu fühlen?
  • Hilft dieses Verhalten nur kurzfristig oder auch langfristig?

Allein diese Beobachtung kann bereits sichtbar machen, welche Situationen und Verhaltensweisen den persönlichen Sorgenkreislauf aufrechterhalten. Wichtig ist außerdem, bei anhaltender oder zunehmender Belastung professionelle Unterstützung zu suchen. Du musst nicht erst an einem Punkt sein, an dem gar nichts mehr funktioniert.

Digitale Unterstützung bei Angst mit velibra

Wenn Ängste und Sorgen deinen Alltag zunehmend bestimmen, kann es hilfreich sein, zusätzlich zur medizinischen oder psychotherapeutischen Versorgung selbst aktiv an deinen Angstmustern zu arbeiten.

Hier setzt velibra an. Die digitale Gesundheitsanwendung basiert auf Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie und unterstützt dich dabei, deine Ängste besser zu verstehen und neue Strategien für den Umgang mit ihnen zu entwickeln. Interaktive Übungen und verständlich aufbereitete Inhalte können dir dabei helfen, typische Gedanken- und Verhaltensmuster zu erkennen und schrittweise zu verändern.

velibra wird von Ärzt:innen oder Therapeut:innen auf Rezept verordnet und ist für gesetzlich Versicherte kostenfrei verfügbar.

Fazit – Generalisierte Angststörung bedeutet mehr als normale Sorgen

Eine generalisierte Angststörung bedeutet mehr als gelegentliches Grübeln oder normale Sorgen. Wenn Ängste und Befürchtungen über längere Zeit einen großen Teil des Alltags einnehmen, schwer kontrollierbar sind und zusätzlich körperliche Beschwerden wie Anspannung, Schlafprobleme oder Erschöpfung auftreten, lohnt sich eine genauere Betrachtung.

Und auch wenn die Angst sich manchmal dauerhaft anfühlen kann: Eine generalisierte Angststörung ist behandelbar. Mit geeigneter Unterstützung können neue Strategien im Umgang mit Sorgen, Unsicherheit und Angst entwickelt werden.

Die wichtigsten Fragen & Antworten

Formen von Angststörungen

Typisch sind anhaltende und schwer kontrollierbare Sorgen über verschiedene Lebensbereiche. Dazu können ständiges Grübeln, innere Unruhe, Reizbarkeit und Konzentrationsprobleme kommen. Häufig treten auch körperliche Symptome wie Muskelverspannungen, Schlafprobleme, Herzklopfen, Schwitzen oder schnelle Erschöpfbarkeit auf.

Sorgen gehören zum Leben und sind zunächst nichts Ungewöhnliches. Sie können sich beispielsweise auf die eigene Gesundheit, die Familie, den Beruf oder finanzielle Fragen beziehen. In der Regel bleiben sie jedoch an konkrete Situationen gebunden und lassen sich zumindest zeitweise wieder in den Hintergrund rücken. Bei einer generalisierten Angststörung (GAS) nehmen Sorgen dagegen häufig deutlich mehr Raum ein. Typisch ist eine anhaltende und schwer kontrollierbare Besorgnis über verschiedene Lebensbereiche – auch dann, wenn objektiv wenig Anlass zur Sorge besteht. Die Gedanken springen dabei häufig von einem möglichen Problem zum nächsten.

Eine generalisierte Angststörung ist gut behandelbar. Besonders die kognitive Verhaltenstherapie kann dabei helfen, Sorgenmuster zu erkennen, Sicherheitsverhalten zu verändern und einen besseren Umgang mit Unsicherheit zu entwickeln. Je nach individueller Situation können auch Medikamente eingesetzt werden.

Quellen