"Ich dachte, ich hätte einen Herzinfarkt“ – Evas Weg aus der Angst mit velibra
Zusammenfassung

Eva ist 58 Jahre alt und lebt mit ihrem Mann in Baden-Württemberg. Seit vielen Jahren arbeitet sie mit großer Leidenschaft als Kirchenmusikerin. Musik, Verantwortung und Verlässlichkeit prägen ihren Alltag. Nach außen wirkt sie organisiert, ruhig und belastbar. Doch innerlich begleitet sie seit Jahren eine tiefe Unruhe, die sie lange selbst nicht einordnen konnte.

Erst eine Nacht voller Herzrasen und Panik führte zu einer Diagnose: generalisierte Angststörung mit Panikattacken.

Heute blickt sie offen auf ihren Weg zurück – auf die Angst, die lange unsichtbar blieb, auf das Gefühl, immer funktionieren zu müssen und auf die kleinen Schritte zu mehr Selbstfürsorge und Vertrauen.

Wenn der Körper zum Warnsignal wird

Als die 58-jährige Kirchenmusikerin Eva mitten in der Nacht mit Herzrasen aufwachte, dachte sie nicht an eine Angststörung. Sie dachte an einen Herzinfarkt.

„Ich hatte wirklich einen Wahnsinnspuls und einen Wahnsinnsblutdruck“, erzählt sie. Sie bat ihren Mann die Hand auf ihr Herz zu legen, er müsse das doch spüren. Aber er spürte nur einen ganz normalen Herzschlag. Doch es war klar, das irgendwas nicht stimmte. Gemeinsam fuhren sie in die Notaufnahme. Dort folgten Untersuchungen, EKG, Blutdruckmessungen. Bis auf einen hohen Blutdruck war alles in Ordnung. Am nächsten Tag saß Eva bei ihrer Hausärztin – und verließ sie mit einer Nachricht, die sie völlig überraschte:

„Ich laufe raus aus der Praxis mit einer Diagnose: generalisierte Angststörung und Panikattacken. Und habe gedacht: Hä? Moment, was?“

Dabei hatte Eva sich selbst nie so wahrgenommen. Im Gegenteil. Sie organisiert große Konzerte, kümmert sich um andere, ist verheiratet, Mutter von drei erwachsenen Kindern. Eine Frau, die funktioniert. Immer. Vielleicht zu gut.

Heute weiß sie, dass die Angst schon lange da war. Nur eben leise.

Besonders belastend sind für sie Situationen, in denen sie sich ausgeliefert fühlt. Unterwegs oder auf Reisen. Vor allem Zugfahrten lösen Stress aus: Würde sie pünktlich sein? War sie gut vorbereitet? Würde sie rechtzeitig ankommen? Und was, wenn plötzlich keine Toilette in der Nähe ist?

„Es hat viel mit Zeitnot, Pünktlichkeit und Verlässlichkeit zu tun“, sagt sie. „Ich habe ein großes Sicherheitsbedürfnis.“

Langsam versteht sie, dass ein zentrales Thema ihrer Angststörung ist, keinen Halt im eigenen Körper zu fühlen. Seitdem begleitet sie die Sorge, unterwegs die Kontrolle zu verlieren – besonders, wenn sie nicht abgelenkt ist oder allein.

„Für mich war das natürlich: Der Körper funktioniert nicht. Ich kann mir nicht vertrauen.“

Ihre Panik zeigt sich dabei kaum sichtbar nach außen. Innerlich jedoch beginnen die Gedanken zu kreisen, Unruhe steigt auf, der Körper spannt sich an. Manchmal werden die Sorgenspiralen so intensiv, dass sie kurz davor ist, umzudrehen, Termine abzusagen oder bestimmte Situationen ganz zu vermeiden.

Warum der Austausch mit anderen Eva so geholfen hat

Nachdem Eva ihre Diagnose erhalten hatte, begab sie sich in eine psychosomatische Reha. Dort machte sie zunächst gemischte Erfahrungen. Die Einzelgespräche waren selten, manches frustrierend. Doch etwas anderes veränderte viel: Die Gruppentherapie nach der Reha. Denn dort begegnete sie Menschen, die ähnliche Ängste und Belastungen mit sich trugen und bereit waren, darüber zu sprechen.

„Es war wichtig zu sehen, dass es kein seltenes Problem ist. Dass ich damit nicht allein bin.“

In der Gruppe wurde geweint, gelacht, offen gesprochen. Viele merkten plötzlich: Die Themen der anderen berühren auch die eigenen wunden Punkte. „Nach zehn Minuten saßen alle vorne auf der Stuhlkante", erzählt Eva.

Diese Erfahrung wurde zu einem Wendepunkt. Heute spricht sie offen über ihre Angststörung. Nicht, weil alles leicht geworden ist, sondern weil sie gemerkt hat, wie wichtig ehrliche Gespräche sind. Denn manchmal beginnt die Veränderung genau dort, wo Menschen aufhören, ihre Sorgen allein zu tragen.

Mit velibra begann sie, ihre Angst neu zu betrachten

Was Eva im Rückblick besonders bewegte ist, dass sie ihre eigenen Warnsignale lange überhört hatte.

„Ich habe verlernt, mich selbst zu fühlen“, sagt sie heute. „Weil es meistens darum ging, zu funktionieren.“

Erst die Diagnose brachte sie dazu, genauer hinzusehen. Ihre Hausärztin verschrieb ihr velibra – eine digitale Gesundheitsanwendung gegen Angststörungen. Anfangs war sie skeptisch. „Ich habe gedacht: Was soll ich denn jetzt mit einer Anwendung gegen Angst und Panik?“

Doch genau diese Unterstützung wurde für sie ein erster wichtiger Schritt. Die Übungen halfen, ihre Gedanken besser einzuordnen und neue Perspektiven einzunehmen. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr eine Übung aus velibra, bei der man die eigene Situation aus der Distanz betrachten soll – wie ein Adler, der von oben auf alles herabschaut. Dieses Bild fand Eva besonders hilfreich. Auch sogenannte „Detektivfragen“ in velibra halfen ihr in überfordernden Momenten:

„Ist es wirklich schlimm? Ist die Angst gerade realistisch?“

Es waren genau diese Impulse, die einen entscheidenden Unterschied brachten. Mit velibra gelang es Eva zum ersten Mal, innezuhalten, genauer hinzuspüren und nicht mehr einfach über die eigenen Gefühle hinwegzugehen.

Zwischen Panik und Pause: Wieder bei sich ankommen

Die Angst ist nicht verschwunden. Es gibt weiterhin schwierige Tage für Eva. Dienstagmorgen vor der Zugfahrt zur Arbeit nach Tübingen ist sie oft noch angespannt. Manche Nächte bleiben unruhig. Aber etwas hat sich verändert: der Umgang damit.

Sie weiß heute, dass die Angst wieder vorbeigeht. Dass die Erfahrung sie gelehrt hat, dass sie Situationen schaffen kann. Früher hätte sie einfach weitergemacht. Heute versucht sie, Grenzen zu setzen.

Nein ist ein vollständiger Satz“, sagt sie lachend. „Das übe ich gerade.“

Ein Satz, der für sie zu einer Art Leitgedanken geworden ist. Sie lernt, Aufgaben abzugeben. Nicht alles allein tragen zu müssen. Genau darin liegt auch ihr wichtigster Rat an andere Betroffene. „Sich einzugestehen Hilfe zu brauchen, sich diese zu holen und vor allem auch anzunehmen.

Denn oft sei genau das der schwerste Schritt. Etwa wenn jemand anbietet, zum Fensterputzen vorbeizukommen, und man diese Unterstützung ohne schlechtes Gewissen annehmen muss.

Mit der Zeit hat Eva verstanden, dass sie sich so wieder Inseln für sich selbst schaffen kann. Nach ihrer Reha kaufte sie sich, nach längerem Zögern, eine Hängeschaukel für den Balkon. Heute sitzt sie dort manchmal einfach nur still, genießt den blauen Himmel und dir Vögel.

Für viele mag das unscheinbar wirken. Für Eva ist es ein Zeichen dafür, dass sie langsam wieder bei sich selbst ankommt.

„Das Leben muss spürbar und fühlbar sein .“

Ein Satz, der beschreibt, wozu sie lange keinen Zugang mehr hatte. Genau dabei wurde velibra für Eva zu einer Art Zwischenraum im Alltag. Die Übungen halfen ihr, nicht sofort über alles „drüberzugehen“, wie sie es selbst beschreibt. Stattdessen lernte sie, sich Fragen zu stellen, die sie sich früher kaum gestellt hatte: Was brauche ich eigentlich gerade wirklich?

Am Ende ist ihre Geschichte keine über das plötzliche Verschwinden von Angst. Sondern eine Geschichte darüber, sich selbst wieder zuzuhören. Und darüber, dass manchmal schon ein ehrliches Gespräch, zehn Minuten in einer Hängeschaukel oder eine digitale Therapie der Anfang von etwas Neuem sein können.